Opa Hempel

Bernd Beutel-Die Zukunft ist jetzt!

Bernd Beutel-Die Zukunft ist jetzt!

admin Juni 22, 2021

Prolog

Wir befinden uns in einer gar nicht mehr so fernen Zukunft. Die Welt wurde von einer verheerenden Seuche getroffen, die Millionen von Menschenleben kostete und nur durch drastischste Änderungen der Gesetze und des Lebens überhaupt besiegt werden konnte. Die Maulwurfgrippe (Influenca talpa)

Die Maulwurfgrippe hatte das Leben aller Menschen auf der Erde in ein Trauma verwandelt, dass es bis dahin noch nie gab. Die Coronagrippe im Jahre 2021 war ein Witz, gegen das was die Maulwurfgrippe, ein paar Jahre später, am Menschen anrichtete. Der vollständige Verlust jedes gesunden Menschenverstandes war nur ein Symptom der Krankheit, gegen die nichts half als die Aussortierung der Menschen, die erkrankt waren oder Kontakt zu einem Kranken hatte.

Und hatte die schreckliche Pandemie der MWG (Maulwurfgrippe) schon so viele Unschuldige getötet, wurden noch viel mehr danach in Quarantäne Zonen gesperrt oder verschwanden für immer in einer Klinik des DUSSEL (Demut- und Unterordnungs-Staats-Schutz-Elite Lebensvorschiftsamt).

Bernd war sozusagen in der glücklichen Lage vollkommen allein und ohne jede Verwandtschaft zu sein. Er hatte noch nicht mal Kontakte im Internet und war so einer der wenigen Menschen, die ohne Auflagen und mit einem Arbeitsplatz leben durften. Auch, wenn dieser Arbeitsplatz vom DUSSEL vorgegeben war und jeweils nach Klasse, der die Person angehörte vergeben wurden. Und so war es, dass Bernd Beutel nicht mehr nur einfach Bernd war, sondern:

Bernd Beutel. Nationale Identifikationsnummer (NIkN) 5873475298x13s grün, Arbeiterklasse III, angestellt bei „Wertstoffhandel Blebonske“, einer Firma, bei der alles wieder verwertet wurde, was das DUSSEL konfiszierte.

Über die NikN, die jedem Bürger mit einem Chip ins Handgelenk gepflanzt wurde, konnte jede Information über Bernd, die es gab, abgerufen werden. Sein gesamtes Leben war in einem 1 mm großen Nano-Chip gespeichert und jede Sekunde kamen etliche Daten hinzu. Und natürlich war jeder Mensch über GPS8G erreichbar und Überwachbar. Nichts geschah mehr, was das DUSSEL nicht wusste

Bernd erinnerte sich noch genau an den Tag, an dem ihm wirklich bewusst wurde, wie sehr sich das Leben verändert hatte.

Einige Jahre zuvor …

PPS: Pipis Pizza Service. Lieferung in 20 Min, sonst Geld zurück. Guten Tag. Mein Name ist Rosie, was kann ich für sie tun?

Herr Beutel: Guten Tach …, ähm Rosie, ich würd´gern was bestellen.

PPS: Ah ja, guten Tag, Herr Beutel? Nationale Identifikationsnummer 5873475298x13s grün, Arbeiterklasse III, Mumpe Weg 23, aber ich sehe gerade sie rufen vom Handy aus an. Sind sie zu Hause?

Herr Beutel: … nein, ähh, ich bin auf der Arbeit …

PPS: Ah ja, „Blebonskes Wertstoffhandel“, Schnödelstr 17a. Sollen wir dahin liefern?

Herr Beutel: Nein! Ich bin schon auf dem Weg nach Hause …, woher wissen Sie das alles?

PPS: Ach, wir sind seit Kurzem mit dem System verbunden. Ihre Bestellung bitte.

Herr Beutel: Ja also …, ich hätte gerne ihre Spezialpizza mit doppelt Käse und Fleisch.

PPS: Ah ja, einmal Special …, eine Sekunde …, das wären dann 25 Euro Aufschlag Herr Beutel.

Herr Beutel: Was!? Wieso das denn?

PPS: Nun wie ich hier sehen kann, sind ihre Blut- und Cholesterin-Werte in letzter Zeit ein wenig hoch. Und da verlangt ihre Krankenkasse, mit der wir einen Vertrag haben verständlicherweise einen Aufschlag. Sie können aber gerne eine Verzichtserklärung unterschreiben, die ihre Krankenkasse für die nächsten 12 Monate von allen Leistungen befreit. Möchten sie das tun?

Herr Beutel: Ähmmm …, nein!

PPS: Sie können das auch gerne bei der Lieferung unterschreiben.

Herr Beutel: Ich …

PPS: Gut dann liefern wir einmal Special. Wir buchen von ihrem Kontingent von der Globalbank ab …, das wären dann 87,50 Euro.

Herr Beutel: 87,50 Euro …, für ´ne Pizza?!

PPS: Inklusive Mehrwertsteuer, Käsesteuer, Tomatensteuer, Gewürzsteuer und eben dem Krankenkassenaufschlag. Außerdem 15 Euro extra, weil wir in eine gelbe Zone liefern.

Herr Beutel: Ich wohne in einer gelben Zone?

PPS: Ja, in ihrem Wohnblock gab es in dieser Woche zwei neue Fälle von H78N2 Infektion und sie wissen ja, wie es da mit der Inkubationszeit aussieht.

Sie könnten aber auch 48 Euro sparen, wenn sie unsere Pizza VE-GEN-TARIA, mit echtem California Mais nehmen. Da gäb´s denn auch vier Tofu Stäbchen gratis.

Herr Beutel: Ähmmm, ich möchte aber Fleisch …

PPS: Na dann können sie sich wohl auch die 87,50 Euro leisten. Ich meine sie haben erst gestern zwei Flugtickets nach Mallorca bestellt und eine Badehose von Ormoni. Oh,oh, na wenn ich mir ihrem Bauchumfang so anschaue …, ich würde ja die Gemüse Pizza nehmen.

Herr Beutel: Also bitte …

PPS: Vielleicht werfen sie auch mal einen Blick in die Fitness Zeitschrift, die ihre Nachbarin abonniert hat. Die hat immerhin 5 Pfund abgenommen in den letzten drei Monaten.

Und was sehe ich denn hier Herr Beutel, sie haben sich am Montag in der Zentralbibliothek das Buch, „Biklitorale Postdepression im präpersonalen Zustand“ ausgeliehen. Müssen wir uns da etwa Sorgen machen?

Herr Beutel: Nein, das war weil …

PPS: Na, ich schick vorsichtshalber mal eine Notiz an den psychiatrischen Überwachungsdienst. Was wollen sie denn jetzt bestellen?

Herr Beutel: Ich will Fleisch …

PPS: Ich muss sie aus versicherungstechnischen Gründen noch darauf aufmerksam machen, dass ihre letzte freiwillige Schweinepest- Impfung mehr als vier Wochen zurückliegt. Wir übernehmen also keinerlei Haftung für Kollateralschäden und müssen sie leider bei der Impfaufsichtsbehörde melden. Wir liefern dann einmal Special, Mumpeweg 23, innerhalb von 20 Minuten, sonst Geld zurück. Auf Wiederhören.

Bernd steckte sein Handy wieder in die Tasche und ging nach Hause. Er beschloss, sich heute mit den Resten der Lebensmittelzuteilung der Woche zu begnügen und sich nochmal durch die neue „Bargeldabschaffungsverordnung“ (BAV) zu lesen. Er wollte schließlich bei der nächsten Pizza Bestellung keinen Fehler begehen.

Fortsetzung folgt

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