Opa Hempel

Bernd Beutel – Die Zukunft ist jetzt! German Psycho Open Poker Night

Bernd Beutel – Die Zukunft ist jetzt! German Psycho Open Poker Night

admin Juni 27, 2021

So etwas wie Glücksspiel gab es nicht mehr. Auch keine Wettbüros und vor allem kein Poker. Ob Online oder Live, war Poker um Geld, was es ja sowieso nur noch in Form von Euro Taler gab, für die man ausschließlich zugewiesene Dinge kaufen konnte. Um das beliebteste Kartenspiel der Welt aber nun nicht ganz zu verbieten, erfand man das Psycho-Poker, in Kooperation mit der Pharma Industrie und dem DUSSEL (Demut- und Unterordnungs-Staats-Schutz-Elite Lebensvorschiftsamt). Hierbei konnten Mitspieler medizinische Behandlungen gewinnen, die ja ansonsten zu dieser Zeit nur den oberen Klassen zustand.

Stellen Sie sich also bitte folgendes Bild vor:

Zwei Spieler, sich gegenübersitzend am Tisch. Beide sind die Finalisten eines Poker Turniers und sind jetzt im sogenannten „Heads Up“, das heißt, sie sind die beiden letzten Spieler des Turniers. Sie sind schon auf den ersten Blick erkennbar nervös und rutschen angespannt auf ihren Stühlen hin und her. Gespielt wird Texas Hold ´em No Limit Poker. Alle psychischen Krankheiten, bzw. Störungen die folgen, gibt es wirklich!

Das Ganze wird dann von einem Moderator kommentiert, so wie man es aus dem Fernsehen kennt:

„Guten Abend, meine lieben Zuschauer, weiter geht’s mit unserem Special-Event, dem Finale der German Psycho Open Poker Night (GPOPN). Wir sind nun also am Final Table, am finalen Tisch und im Heads Up sitzen sich gegenüber, Lars-Günther Fredebold und Edeltraut-Gerda Schmolenske, die, wie Sie ja wissen, in der Psycho-Poker Gemeinde nur liebevoll „Crazy Trautchen“ genannt wird.

Noch einmal für sie zur Erklärung, meine Damen und Herren, an diesem finalen Tisch und in der letzten Runde des Turniers sind als Einsatz ausschließlich Phobien erlaubt. Hier kann also Lars-Günther nicht mit seiner gefürchteten endogenen Depression punkten. Hier und heute darf als Einsatz nur die persönliche, nachweisbar diagnostizierte Angststörung herhalten.

Und wir steigen auch gleich mal ein, meine Damen und Herren. Im Blind, also im Mindesteinsatz, liegt eine recht einfache Arachnophobie, also die klassische Angst vor Spinnen, die Lars-Günther bringen muss und Trautchen entweder mitgeht, oder passt.  Lars-Günther hat Kreuz As und Herz König auf der Hand …, und Trautchen Pik Bube und Karo Dame und bringt den Blind hier locker.

Und an dem panischen Blick der Beiden unter den Tisch sieht man auch noch mal deutlich, wie ernst die bei der Sache sind, denn ich bin mir sicher die vergewissern sich, dass da wirklich keine Spinnen sind, hehehe.

Nun kommen die ersten drei Karten auf den Tisch, der sogenannte Flop. Herz Acht, Pik Dame und Kreuz neun und damit hat Trautchen ein Paar Damen und Lars-Günther erst mal nichts, aber natürlich Chancen auf eine Straße. Trautchen zögert da jetzt auch gar nicht lange und setzt gleich mal eine Amakaphobie, also eine Angst vor Eisenbahnen und das ist für Lars-Günther schon mal eine kleine Herausforderung, denn die hat nun nicht jeder. Bei Trautchen weiß ich, dass die Amakaphobie daher kommt, dass ihre Mutter sie als ganz kleines Kind mal im Zug vergessen hat und sie stundenlang, im Kinderwagen alleine im Abteil gestanden und geschrien hat, bis schließlich ein Schaffner sie bemerkt und im Fundbüro abgegeben hat. Bei Lars-Günther weiß ich es jetzt nicht genau, da scheint aber auch ein traumatisches Ereignis vorzuliegen denn er callt, also er geht mit und das mit einem recht müden Lächeln, obwohl man ihm natürlich anmerkt, dass er sich nicht besonders wohl in seiner Haut fühlt.

Die nächste Karte kommt auf den Tisch …, der Turn. Ein Pik Bube. Au, das ist jetzt natürlich gleich mal richtig spannend, denn Trautchen wird sich mit zwei Paaren, Damen und Buben recht sicher fühlen, während Lars-Günther mit seinem Straight Draw, also die klare Chance auf eine Straße, sollte dann im River noch die 10 kommen, jetzt Blut geleckt hat. Nun bin ich mal gespannt, was Crazy Trautchen vorlegen wird. Ja, ja , ja, so kennen wir unser verrücktes Huhn. Sie geht gleich mal hoch ran und setzt eine Ophthalmophobie, die Angst davor angestarrt zu werden, was und da bin ich mir sicher Lars-Günther locker mithalten kann, aber damit geben beide hier natürlich was ganz intimes in den Outing-Pot. Denn zwei professionelle Poker Spieler, die ja nicht nur ständig vor laufender Kamera sitzen, sondern jetzt auch noch dem Gegenspieler offenbaren, dass sie in Panik geraten, wenn man sie anstarrt. Das ist schon sehr heiß und macht so eine Finale für sie, liebe Zuschauer, natürlich sehr attraktiv.

Lars-Günther zögert jetzt auch etwas und nutzt auch gleich ziemlich schamlos den kurzen Vorteil aus und starrt Trautchen Schmolenske aber so was von an. Natürlich will der jetzt raus kriegen, ob sie blufft und das zeigt bei Trautchen Wirkung. Sie bekommt sichtlich Angst, atmet schwere rund versucht seinem Blick auszuweichen.

Jetzt signalisiert Lars-Günther, dass er nicht nur mitgeht, sondern auch raisen, also erhöhen will, was Trautchen aber erst mal die Möglichkeit gibt drangsalierend zurück zu starren.Ich weiß nicht, wie es Ihnen da ergeht, liebe Zuschauer, aber für mich wäre das hier schon Mal genau der Augenblick, wo ich anfangen würde den Raum nach potenziellen Fluchtmöglichkeiten abzusuchen.

Lars-Günther erhöht um eine Sesquipedalophobie, die Angst vor langen Wörtern und versucht Trautchen gleich mit noch intensiverem Starren ein wenig aus der Fassung zu bringen, um zu verhindern das die sich konzentrieren kann und ihm ein paar lange Worte an den Kopf wirft. Das schafft er ganz gut, denn Trautchen geht nur mit, anstatt jetzt ihrerseits zu re-raisen, also nochmal zu erhöhen. Ich glaube Trautchen versucht da händeringend ein paar lange Wörter zu formulieren, aber im Moment sind die beide so mit starren beschäftigt …, hehehe …

Jetzt scheint aber doch noch was zu kommen, denn Trautchen fängt in dem Moment an breit zu grinsen und holt Luft und …, „Gesichtserkennungsoftwareentwicklerschreibtischlampenschirm“! Damit haut sie Lars-Günther erst mal kräftig aus den Socken, meine Damen und Herren. Er beginnt leicht zu zucken.

Die letzte Karte kommt auf den Tisch, der sogenannte River …, und es ist die 10!!! Es ist die 10, die Lars-Günther zu seiner Straße gebraucht hat. Aber Trautchen hat natürlich jetzt auch eine, nur eben die niedrigere und das ist ja jetzt mal richtig spannend. Was für ein Finale, meine Damen und Herren. Trautchen hatte natürlich gehofft hier am Ende ein Full House zu haben, was dann für Lars-Günther nicht zu schlagen gewesen wäre, so aber hat auch sie jetzt eine Straße, fühlt sich ganz klar im Vorteil und weiß natürlich nicht, dass ihr Gegenspieler mit dem As die bessere Straße hat. Jetzt wird’s hier zur Sache gehen.

Und was macht Trautchen …, sie erhöht und ich staune ein bisschen, dass sie nicht gleich All-In geht, aber sie ist auch etwas verunsichert, denn Lars-Günther lässt keine Gelegenheit aus sie anzustarren und seinerseits lange Worte vor sich hinzumurmeln, was aber natürlich sehr gefährlich ist, denn schließlich gerät er ja dabei selbst in Panik. Deshalb redet er wohl auch so leise. Trautchen erhöht um eine Gymnogasterphobie, die Angst vor nackten Bäuchen und das ist jetzt ganz klar ein kleiner Hammer, aber Lars-Günther ist sich jetzt so sicher, dass er nicht nur locker mitgeht, sondern sofort mit dem Raise kommt und um eine Gynäkophobie erhöht, der Angst vor weiblichen Geschlechtsorganen, die sich, wie allgemein bekannt ist, bei Lars-Günther besonders bei den sekundären Geschlechtsmerkmalen auswirkt.

Da kommt Crazy Trautchen jetzt aber mächtig ins Schleudern und ist sichtlich getroffen und gerät hier auch deutlich in Panik, denn wie sie ja vielleicht wissen, meine Damen und Herren, waren die beiden mal eine Zeitlang ein Paar und kennen ihre Ängste ganz gut und deshalb weiß Trautchen zwar einerseits, was für einen Rieseneinsatz Lars-Günther da gerade geleistet hat, sie weiß aber auch, dass er weiß, dass sie den Einsatz halten kann, weil sie eine wahnsinnige Angst vor ihren eigenen Brüsten hat. Aber immerhin ist das ja hier das Finale der Psycho-Open, meine lieben Zuschauer und da gibt man so ein Blatt nicht einfach aus der Hand. Das tut sie auch keinesfalls sondern geht hier aufs Ganze, reißt den Pullover hoch und zeigt ihre, in einem mit Spitzen besetzten BH steckenden, Brüste. Und wenn sie das schon macht und hier über ihren eigenen Schatten springt, sagt sie sich jetzt wohl, dann kostet sie das auch richtig aus. Und unser Lars-Günther ist auch wirklich am Rande eines Nervenzusammenbruchs.

Aber noch ist ja gar nicht gesagt, ob es das schon war, denn Crazy-Trautchen hat ja immerhin noch die Möglichkeit noch mal zu erhöhen …, und eigentlich gibt es da jetzt auch nur eine logische Möglichkeit … und …, jaaaaaa, sie tut es …, sie geht All-In …, sie geht All- In mit einer generalisierten Angststörung!!! Auweia, auweia, jetzt ist ja hier der Teufel los …, der arme Lars-Günther …, ob er das wohl noch verkraftet?

Wenn er doch nur wüsste, dass er ja schon gewonnen hat, wäre das sicher alles etwas einfacher für ihn, aber so wird das richtig gefährlich. An beiden Seiten stehen jetzt auch schon die Pfleger bereit.

Was macht er, der gelernte Erzieher aus Castrop-Rauxel …, was macht er …? Er geht mit!!! Er geht mit!!! Und jetzt müssen beide aufstehen.

Trautchen deckt ihre Karten auf und ist sich des Sieges schon gewiss, doch auch Lars-Günther schafft es gerade noch so seine Karten umzudrehen und registriert es jetzt, das ist der Sieg. Lars-Günther Fredebold hat die German Psycho-Open gewonnen und damit einen achtmonatigen Aufenthalt in einer psychiatrischen Reha-Klinik mit allem Drum und Dran. Mit Medikamenten, mit Elektroschocks, mit Waterboarding, im Einzelzimmer im Wert von sechs Krankenkassen-Jahresbeiträgen. Und er kann sein Glück kaum fassen, schlottert vor Angst … Was für ein Finale, was für eine Spannung, meine Damen und Herren … Und mit einem letzten Blick auf die Finalisten, die jetzt gleich medizinisch versorgt werden, verabschieden wir uns und gehen in die Werbung.“

Nach einer solchen Übertragung, die für Arbeiter der Klasse III Pflicht war, war Bernd völlig geschafft und verwirrt und überlegte den ganzen weiteren Abend, welche der psychischen Störungen er wohl schon hatte, ohne es zu wissen und er dachte daran zu welchen Gelegenheiten sich diese wohl zeigen könnten. Er nahm seine Abendmedikamente und ging ins Bett, wo der Alptraum schon auf ihn wartete.

Fortsetzung folgt …

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