Opa Hempel

Bernd Beutel – Die Zukunft ist jetzt! Der Kühlschrank

Bernd Beutel – Die Zukunft ist jetzt! Der Kühlschrank

admin Juni 23, 2021

„Bernd Beutel, Nationale Identifikationsnummer 5873475298x13s grün, Arbeiterklasse III, Ich hätte gern ein Würstchen und eine Portion mittelscharfen Monsano-Senf.“ Bernd stand vor seinem neuen Kühlschrank, einem Kühlomatik Standard E503 mit integrierter Stimmerfassung und studierte die Bedienungsanleitung, die vor ihm auf dem Küchenmonitor aufgepoppt war.

Nicht dass er einen neuen Kühlschrank gebraucht hätte, aber es war jetzt Pflicht einen Kühlomatik zu haben, denn dieser war nicht nur vollautomatisch und computergesteuert, konnte sprechen und die Eurohymne abspielen, sondern versorgte sich auch gänzlich selbstständig mit Lebensmitteln. Es gab ihn außer in der Standardausführung auch noch in „Ultima“ und „Extramega“, die dann noch ein paar Extras, wie besonders sexy Stimmen oder einen integrierten Fernseher hatten. Doch das konnte sich ein Arbeiter der Klasse III nicht leisten.

Doch immerhin, von der Bestellung bis zur Lieferung, durch den dem DUSSEL angeschlossenen Monsano-Parcel-Service (MPS), erledigte der Kühlomatik Standard E503 alles alleine. Der einzige Nachteil war, dass Bernd auf die Bestellung keinerlei Einfluss mehr hatte, was ihn ständig an seine Kindheit erinnerte, wo auch gegessen wurde, was auf den Tisch kam.

Daran hatte er sich aber gewöhnt, denn schließlich bekam er auch Zeitschriften und Bücher geliefert, Filme und Podcasts sowie jeden Morgen die Themen des Tages, über die er sich auf der Arbeit unterhalten durfte. Und auch musste, denn zum Ende des Monats hatte jeder Bürger die Pflicht seinen Monatsbericht bei der DUSSEL einzureichen und eine Zusammenfassung der konsumierten Medien abzugeben. Und niemand wollte, nur wegen eines nicht gelesenen Artikels, von der DUSSEL Abholtruppe abgeholt werden.

Was Bernd aber dann doch sehr verärgert hatte, war die Tatsache, dass er seinen neuen Kühlomatik Standard E503 auch selbst bezahlen musste, was ihn nun jeden Monat 50 Eurotaler kostete. Aber was konnte er schon dagegen unternehmen? Er hatte von Leuten gehört, Nachbarn, die wurden nachts von der Abholtruppe aus dem Bett geholt und kamen nie wieder  und das wohl nur, weil sie ihre Lebenslieferung verweigert hatten.

So stand er also nun da, nachdem er ja von der Pizza-Bestellung abgesehen hatte, vor seinem neuen Kühlschrank und stellte fest, dass es rein gar nichts zu tun gab, außer das tägliche Menü 1 oder 2 zu wählen und abzuwarten.

„Bitte identifizieren Sie sich!“, ertönte die, durchaus als unterkühlt erkennbare Stimme, des Kühlomatik Standard E503.

äähm … das habe ich doch gerade! „

„Diese Eingabe war nicht korrekt, bitte identifizieren Sie sich!“, sagte die Stimme und Bernd, der vom Tag abgekämpft schon ziemlich genervt war, holte tief Luft.

„ Bernd Beutel, Nationale Identifikationsnummer 5873475298x13s grün, Arbeiterklasse III, Ich hätte gern ein Würstchen und eine Portion mittelscharfen Monsano-Senf.“

Stille. Bernd wusste nicht, was er tun sollte. „Hallo!“, schrie er so laut, dass die Küche wackelte.

Eine blaue LED Leuchte blinkte auf und Bernd glaubte ein Schluchzen zu hören.

„Warum schreist du mich denn so an?“ jetzt war er sich sicher, der Kühlschrank weinte laut und deutlich. „Ich stehe hier jetzt schon den ganzen Tag und warte darauf, dass du nachhause kommst. Ich mach mir Gedanken, ob du wohl Menü 1 oder 2 wählst und ich so richtig in Fahrt komme und ich dir dein Essen besorgen kann. Seit ich da bin, beachtest du mich sowieso nicht die Bohne, aber doch wenigstens einmal am Tag sollte ich doch die Beachtung bekommen, die ich verdient habe, meinst du nicht mein Lieber?“

Bernd war sprachlos. Immer wieder suchte er nach Worten und erwischte sich dabei Mitleid mit einem Kühlschrank zu haben. Sanft streichelte er das Küchengerät und sagte, nun sehr leise aber dennoch deutlich: „Es tut mir leid, meine Liebe, bitte sei doch so lieb und mach das Menü 2 fertig ja, danke schön“

„Bitte identifizieren Sie sich!“ tönte es wie gewohnt aus dem Kühlomathik Standard E503 und Bernd merkte, dass er kurz eingenickt war.

Vielleicht war es mal wieder Zeit für einen Besuch im Kontakt Haus

Fortsetzung folgt …

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