Opa Hempel

Razzia zur Abwechslung beim Warten auf die Bahn

Razzia zur Abwechslung beim Warten auf die Bahn

admin September 1, 2021

Gestern Abend oder eher Pre-Abend stehe ich, auf dem Weg vom Arzt Nachhause, nichtsnützig auf dem Bahnsteig des Bahnhofs Oststraße rum, als eine Gruppe Männer wild gestikulierend und sehr in Panik die Rolltreppe herunter stürmt und versucht sich irgendwie in Sicherheit zu bringen.

Dagegen hatten die Herren von der Bahnhofswache, die ihnen folgten, leider etwas. Jedenfalls schloss ich das aus dem Tempo mit denen sie den Flüchtigen auf den Fersen und schließlich am Kragen waren.

Abgehackte, ruppige Kommandos auf Englisch folgten und genau einen Meter neben mir war auf einmal eine wilde, lautstarke Razzia im Gange, wobei wohl nicht unbedingt im Mittelpunkt stand wonach gesucht wurde.

Und man kann ja sagen was man will, es ist irgendwie kein gutes Gefühl so etwas praktisch in Armlänge zu erleben, auch wenn man ganz genau weiß weder etwas verbrochen zu haben, noch etwas bei sich trägt, was die Polizei dazu bringen könnte die Situation zu nutzen und in einem Abwasch den Opa gleich Mal mit zu razzieren.

Auf einmal wird die Minuten Anzeige auf der Tafel zum schallend lachenden Schelm, der auf deiner Schulter sitzt und nur darauf wartet, dass du einen Fehler machst. Die Beamten gingen nun wirklich nicht sanft mit den Durchsuchten um und es würde Tatsache zu meinem Glück passen, wenn in der Sekunde ein Sturz betrunkener junger Mann oder noch besser Frau auf die Polizisten losgeht und irgendwas von Polizeibrutalität oder George Floyd in die Runde kreischt, während sie mit dem Finger voran die Beamten bedroht.

Das mag ja vielleicht sogar stimmen, ist aber in dem Moment doch eher unangebracht, wenn man sich dabei auch noch bei mir einhakt …

Die Zeiten wo „Bullen mit‘ n Knüppel hauen“ zu meinen revolutionistischen Ambitionen zählte, sind nun wirklich lange vorbei. Ich bin ja froh wenn ich weiß was ich gestern gesagt habe oder sicher Nachhause finde:)

Ich hatte aber Glück, etwas was ich den Männern in Handschellen dieses Mal voraus hatte. Denn die standen sicher nicht aus Spaß da und taten was auch immer. Ich denke eher, die Menschen tun Dinge um zu überleben, die manchmal erfordern Regeln zu brechen. Und da unterscheiden sich Menschen nicht, woher sie auch kommen oder warum sie hier sind.

Das man damit leben muss, dass Straftaten nun mal so heißen, weil auf die Taten die Strafe folgt, ist dann wohl der Preis der Verzweiflung. Und deshalb tun mir eigentlich alle leid. Die Verhafteten für ihre Lage und die Polizisten dafür, mit so einem Quark die wertvolle Dienstzeit zu vergeuden.

Kleindealer zu fangen, anstatt die Menschen zu kriegen, die daran Millionen verdienen und jene zu bestrafen, die es wirklich verdient haben, kann auf jeden Fall nicht der Traum von Polizeiarbeit sein.

Aber gut, eigentlich wollte ich ja nur Mal kurz erzählen, was heute auf dem U-Bahnhof los war. Denn es ist immer wieder spannend, was man mit der Linie 75 der Rheinbahn erleben kann, in nur einer Stunde.

Schönen Tag da draußen

Euer Opa

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